Edelstahlindustrie plant neue Literatur zu Legierungszuschlägen
Der Legierungszuschlag ist eine typisch deutsche Erfindung. Warum einfach, wenn es auch kompliziert geht? Dennoch hat er wohl seine Berechtigung. Beim Legierungszuschlag (kurz LZ genannt) handelt es sich um einen prozentuellen Preisaufschlag, der auf verschiedene Edelstahlprodukte aufgeschlagen wird. Er soll als Regulierung für schwankende Rohstoffpreise dienen. Wie hoch ein Legierungszuschlag ausfällt, kann also durchaus schwanken.

Im Volksmund nennt man den Legierungszuschlag daher auch scherzhaft “Betrugs- und Phantasiezuschlag“. Legierungszuschläge spielen bei der Preiskalkulation in verschiedensten Bereichen eine Rolle. Häufig kommt der LZ bei Zerspannungswerkzeugen (Bohrern, Fräsern, Senkern etc.) zum Einsatz. Ferner wird der Legierungszuschlag auch bei Nieten, Gewindefittings und in weitern Teilen des Stahlhandelsbereich angewandt.

In der Fachliteratur wird der Nutzen von Legierungszuschlägen mit den schwanken Rohstoffpreisen gerechtfertigt. Wie das aber objektiv bis hin zur OBI Ladentheke umgesetzt werden soll, ist vielen Heimwerkern oftmals völlig zu Recht ein Rätsel. Denn auf welchen Werkzeugen findet man schon ein eingeschweißtes Fertigungsdatum? Und wer weiß schon (sei es der Verkäufer an der Ladentheke oder der planlose Kunde vor dem Regal), wie aktuell die Preise für Wolfram, Kobalt und Co. liegen? Oder geschweige denn, wie dies sich rein rechnerisch auf die Legierungszuschläge auswirken wird? Da muss man schon dem Hersteller vertrauen. Gewiss will sich dort niemand des Wuchers schuldig machen. In der Edelstahlindustrie geht es noch ehrlich zu! Doch anstelle regelmäßiger Veröffentlichungen will man nun dazu übergehen, ein Standartwerk zu veröffentlichen, um den Legierungszuschlag von seinem Image als “Betrugs- und Phantasiezuschlag“ ein für alle Male zu befreien. Das Standardwerk soll auf zeitgenössischem Zahlenmaterial aufgebaut sein und auch dem Laien nahe bringen, wie genau die verschiedenen Legierungszuschläge zustande kommen.
Literatur Stahl

Allerdings rätselt man in der Edelstahlindustrie noch über den Titel für dieses Standardwerk. Viele Vorschläge wurden bis jetzt gemacht. Auf eine Lösung konnte man sich noch nicht einigen. “Stählerner Almanach“ klang zu allgemein. “Zuschlagen! Wieso?“ klang zu reißerisch. Der Titel “richtig zuschlagen“ wurde als zu Gewalt verherrlichend empfunden. Ein Verlag wird derzeit ebenfalls noch gesucht. Allerdings konnte man sich schon auf Dreingabe eines kleinen Werbegeschenks einigen, dass den geneigten Leser vollends vom Kauf überzeugen soll. Jedem Buch liegt ein subventioniertes Gewindefitting bei. Die Unkosten für diese geschenkten Gewindefittings will man über den Erlös des Standartwerkes decken, sowie dies sich erst einmal verkauft. Als Zeichen des guten Willens hat man auch auf den Legierungszuschlag für diese Gewindefittings verzichtet. Der LZ spielte somit bei der Preiskalkulation für das Buch keine Rolle.

Man ist zuversichtlich, dass das Buch allen eventuellen Fragen Rechnung tragen wird und den Leser nicht unwissend bezüglich des wirtschaftlichen Sinn und Zwecks von Legierungszuschlägen zurücklassen wird. Die Autoren des Buchs sind zweifelsohne als ein Duo mit der richtigen Expertise in Sachfragen des Legierungszuschlags einzustufen. Beide bescheinigten sich eine hervorragende Zusammenarbeit und zweifeln nicht daran, ein Standardwerk zu Nutzen des Lesers entwickelt zu haben. Siegmund Esse, Leiter eines Edelstahlwerks nahe Münsters, und Walter Kruppziffer, seines Zeichens ehemaliger Buchhalter eines Stahlkonzerns, arbeiteten gemeinschaftlich an dem ehrgeizigen Projekt.

Das Buch ist, einem Ersteindruck gemäß, bei allem Informationsgehalt von ungeahntem Witz. Durch kleine Anekdoten und Wortspielen („...die reden doch nur Blech!“) schaffen es die beiden Autoren immer wieder, die trockene Materie ein wenig aufzulockern, sodass man dieses Buch mit Genuss lesen kann. Und wer weiß? Wenn man sich im nahe liegenden Baugeschäft den nächsten Akkubohrer kauft und über 10 % draufzahlt, dann wird man um ein Schmunzeln nicht umhinkommen und vielleicht den beiden Autoren und ihrem Streben nach Aufklärung gedenken. In einer Welt, in der Qualität ihren Preis hat, ist man neben Anschlägen auf Leib und Seele auch nicht mehr vor Aufschlägen auf die eigene Brieftasche gefeit. Umso beruhigender ist es, dass es Pioniere wie Herrn Esse und Herrn Kruppziffer gibt, die ihr Wissen unters Volk bringen, auf das bildungsmäßiger Mehrwert entstehe.